A b o u t

PRess

“The artistic work of Friederike Just has a vital force, comparable only with the works experienced in the popular art, seen in the oeuvre of Mexican artist Frida Kahlo or in the familiar works by German Paula Modersohn–Becker.(……)

Her contagious vitality, paired with the same convincing sense of realism, are combined attributes founded on intellect and an instinctive critique. 

Her uncompromising personality is held highly in esteem….(…..) Her work shows a high Quality and an extraordinary originality”   

 

 

Prof. Dr. Axel von Criegern

 

University of Giessen, Germany



„So erkennt man bei den eindringlichen Gemälden von  Friederike Just hinsichtlich ihrer schonungslos dargestellten Menschenbilder erst auf den zweiten Blick das Verborgene oder das Unausgesprochene. Erst durch das Einbeziehen ihrer markanten Pinselführung zeigt sich das nicht Offensichtliche in ihren skurrilen Personenbeschreibungen und legt die bissige Ironie ihrer Ansichten frei über die Abgründe zwischen Schein und Sein.“ (Zitat von Birgit Wilde)

 

Die „Rauhnächte“, so der Titel des imposanten ihres extra aus Genua eingeflogenen Gemäldes, das sind etwa 12 Nächte zwischen Jahresende und  neuen Jahres in denen im Aberglauben Geister umzugehen scheinen. Die verhüllten Menschen darauf zeigen der gemäß des Freud’schen Sinnes im Unterbewussten verborgenen Ängste und Dämonen – und die können mannigfaltig sein, z. B. vor Spinnen, Ungewohntem oder dem oder den Fremden.


Auszug:Corinna Steimel, Städtische Galerie Böblingen 

NEUE FIGURATION


Mit Friederike Justs Malerei hält es sich wie mit der Superga-Reklame aus den 1990er Jahren – man hasst sie oder man liebt sie.

Friederike Justs Malerei polarisiert die Betrachter, und das liegt sicherlich an ihrem ironisch-kritischen Blick auf den Menschen, unsere Gesellschaft, die sie in ihren Bildern in oft gnadenloser Offenheit bloßstellt.

In ihren Bildern stellt Just den Menschen mit allesamt seine Schwächen dar, geistig, physisch, religiös, ohne Tabus. Ohne Scheu und Angst vor Peinlichkeiten malt sie Situationen, die für viele unaussprechbar sind. Da werden aber auch Klischees und Vorurteile angesprochen, die nicht unbedingt alle wagen anzusprechen oder aufzuzeigen. 

Wenn da zum Beispiel der Mann mit seinem kleinen roten Penis steht wie in „Pistolino“ entsetzt und mit weitaufgerissenen Augen als ob er etwas Verbotenes tun oder denken würde. Oder wenn in „Alter Affe Angst“, 2017, eine amorphe, asexuelle und aufgequollene Figur, man weiß nicht genau ob Mensch oder Tier, da Füße hat wo wir Hände erwarten, dann wird uns glasklar eine Situation vor Augen geführt, in der, die oder das Dargestellte die Kontrolle über seinen Körper verloren hat; eine extreme Darstellung, wie zu symbolisieren das wir in einer Welt leben, in der von uns heute immer erwartet wird alles unter Kontrolle zu haben: dafür führt Just eine Bacon-artige Figur ein, die uns mit unseren innersten Ängsten konfrontiert, einer (inneren und äußeren) Welt, die außer Kontrolle geraten ist.

Wenn in „Pseudononne“ eine Nonne ihre Brüste zeigt, oder in dem Bild „Haircut“ vier, bis auf die Unterhosen, oder sogar mehr, entblößte Figuren gezeigt werden, die in ihrem hellen rosa-rot noch verstärkter nackt wirken, und die linke Figur – eine Frau? – mit einer Schere droht, welche Gedanken und (Kastrations-) Ängste weckt solch eine Szenerie?

Betrachtet man die Arbeiten der letzten Jahre von Just, wird uns bewusst, dass allesamt die Frauen immer mehr Präsenz gewinnen. Als aktive Player des Dargestellten, sind sie oft nackt, groß, stark und selbstbewusst, und meistens der Mittelpunkt der dargestellten Szene.

In den Bildern „Vier“, 2017, und „Der Wald muss heute draußen bleiben“, 2018, sind die weiblichen Figuren stark abstrahiert, aber klar als Frauen gekennzeichnet, und ihre großen Körper füllen die Leinwand aus, überproportionierte, lasziv daliegende Figuren, die in kühlen Pastelltönen dargestellt sind, ihre Hinterseite dem Betrachter zuwendend, und ohne Scham ihre primären Geschlechtsorgane zur Schau stellend (das übrigens ein ´Justscher Klassiker´).

In „Vier“ gibt es noch einen Flamingo, ein klares Symbol der homosexuellen Kultur – was treiben die Vier also hier? In „Der Wald muss heute draußen bleiben“, 2018, treffen wir nun verschiedene Waldtiere inmitten der geräumigen Sofas an, auf denen sich drei Frauen räkeln; diese Körper sind keine standardisierten Frauenkörper wie wir sie aus der Werbung und aus dem Fernsehen kennen, sie kontrastieren stark damit, kreieren einen Bruch mit den vorgefertigten Bildern mit denen wir tagtäglich bombardiert werden, ohne dadurch weniger selbstbewusst zu wirken. Und wie schon in anderen Bildern Justs, kreuzen sich Mensch und Tier, diesmal als klar getrennte Einheiten, und trotzdem fühlt es sich so an, als ob das Animalische im Menschen gezeigt wird. Und wie so oft, ist der Titel Programm, genau das, was im Titel steht, wird durch das Dargestellte widersprochen oder noch verstärkt. In diesem Falle sehen wir im Wohnzimmer Hirsche Rehe und Füchse und dazu noch ein amorph -rosarotes, nicht zu definierendes Lebewesen – Aliens? Wo bleibt also da der Wald – ein deutscher Stereotyp,  der in jedem „guten“ deutschen Wohnzimmer zu finden ist?

Bei „Fünfuhrmorgens“, zum Beispiel sind die dargestellten Figuren in Grautönen gehalten und Kopf an Kopf zusammengeengt. So wie im Titel ein Satz zusammengequetscht wurde, so ist auch die Befindlichkeit der Figuren im Bild. 

Der Titel ist also immer auch eine Fährte, die uns in das Innere der Bilder führt, und eine Möglichkeit der Interpretation liefert, eine Spur , die uns hilft die Malerei zu lesen und ihrem (Un-)Sinn zu folgen.

Die Farben, dieser beiden Bilder sind leicht graustichig und pastellig; harmonische Farbkompositionen, die irgendwie mit ihrem grau – rosa – lila auf Farbkompositionen von Bacon zurück zu verweisen scheinen... Also Bacon nicht nur präsent in der Groteske des menschlichen Lebens und seiner Darstellung, sondern auch in der farbigen Zusammensetzung der neuen Malerei von Just?

Last but not least, die verstärkte Präsenz von übergroßen Leinwänden, die Just verwendet, zeigt uns Figuren in Lebensgröße, und dieser fast 1:1 Maßstab gibt ihrer Malerei eine physische Größe, die sich ganz klar von der Malerei für den Privatraum wegentwickelt, und sich nun viel mehr auf den Ausstellungsraum und die phänomenologische Beziehung mit dem Betrachter konzentriert. 




Alda Galsterer

      Galeristin und Kuratorin 

Lissabon,2018